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Königskette

Auf ein Kleinod, das in der näheren und weiteren Umgebung nicht so leicht wieder zu finden ist, darf die Bremer St. Lambertus- Schützenbruderschaft stolz sein. Es ist die alljährlich nur bei der glanzvollen Parade vom jeweiligen König getragene große Kette. Diese mehrere Kilo schwere Königssilber stammt mit seinem ältersten Stück aus dem Jahr 1754.
Es wurde vom damaligen Bremer Vikar J.A. Rienhoff gestiftet. Der Geistliche verewigte sich mit seinen Anfangsbuchstaben J. A. R. Vic. und der Jahreszahl 1754. Außerdem zeigt die Plakette die Eingravierung von Vogelstange mit Vogel und der ersten, bekannten Darstellung des „Geck“.

Erster König nach der Neugründung der Bruderschaft war im Jahre 1826 Heinrich Giese aus Bilme, der von den Schützen zum Fest gewählt worden war. Manche Könige ließen nicht nur Krone und Namen, sondern auch die Zeichen ihres Standes oder ihrer Zeit eingravieren, so Josef Wulf eine Lokomotive, offensichtlich zur Erinnerung daran, daß im Jahr 1854 die Bahnstrecke Dortmund – Soest im Bau war; Schreinermeister Eberhard Wulf verewigte sich 1885 mit Hobel und Zirkel; Bauer Fr. Liedhegener im Jahr 1891 mit Pflug, Dreschflegel, Sense und Harke; Anton Jürgens, der eine Lohndrescherei betrieb, wählte 1898 für seine Plakette einen Dampfkessel, aus der neueren Zeit zeigte Egbert Strauch mit einem Fußball seine Zugehörigkeit zum TuS Bremen. Zum 400jährigen Jubiläum im Jahr 1925 ließ der Jubelkönig Franz Wenner, Sattler von Beruf, in sein Silber die Worte „Was nicht alles kann auf Erden aus einem Sattler werden. Hans Ebert an des Reiches Spitze und ich hier auf dem Königssitze“ eingravieren.

Dem Küster Anton Hellmich war es dreimal vergönnt, die Königswürde zu erringen und zwar in den Jahren 1829, 1831 und 1836. Entweder lag es an der schlechten Zeit, daß kein anderer Anwärter auf die Königswürde zur Verfügung stand oder der Küster war ein echter Schützenfestfan.

Die vorhandenen über 140 silbernen Erinnerungsmedaillen waren auf einem Untergrund aus rotem Samt befestigt, der mit einer rot-weißen Kordel eingefaßt ist und mit Lederriemen getragen wurde. Nach einer Restaurierung durch Jürgen Faber präsentiert sich die große Königskette jetzt im neuen Glanz. Über 80 Erinnerungsmedaillen befinden sich jetzt an der großen Kette, 48 befinden sich in der Ausstellungsvitrine im Vorraum der Schützenhalle.

Weil die Gefahr besteht, daß während des Festes Plaketten verloren gehen, schuf man um die Jahrhundertwende das kleine Königssilber an.

Unter dem Mittelteil aus dem Jahr 1912 sind jeweils sechs bis zehn Plaketten befestigt. Kommt eine neue hinzu, wird die älteste an die große Kette umgehängt.

Die letzte große Gefahr, die für das Königssilber bestand, war nach dem Zusammenbruch Deutschlands, nach Beendigung des 2. Weltkrieges im Jahr 1945, als die amerikanischen Besatzungstruppen am 8. April auch in unserer näheren Heimat einrückten. Lange Zeit wußte man nicht, wo das Königssilber während der Nachkriegswirren versteckt war. Wilhelm Vorrath aus Gerlingen war der letzte Vorkriegskönig, seine Königin war Franziska Knoop aus Parsit. Hier wurde das Königssilber während des Krieges aufbewahrt.

Am 9. April 1945 wurde auch Parsit von den amerikanischen Truppen besetzt. Das Wohnhaus Knoop wurde beschlagnahmt. Die Familie Knoop mußte das Haus in kurzer Frist räumen und verlassen. Es durfte nur das notwendigste Bettzeug mitgenommen werden. Bei dieser Räumung unterstützte Franz Linnenkamp die bedrängte Familie. Im letzten Augenblick dachte man auch an das hier untergebrachte Königssilber. Schnell entschlossen steckte
F. Linnenkamp das Königssilber in ein Bettlaken und brachte es unbemerkt an den Wachposten vorbei in Sicherheit. Im Haus von Josef Schleimer wurde es im Keller unter den Kartoffeln versteckt.

Somit waren unersetzliche Zeitdokumente für die Bruderschaft vor dem Zugriff der Amerikaner und auch später vor plündernden Russen und Polen gerettet.

Unter den Plaketten fallen besonders zwei Vögel, vier kleine Säbel sowie zwei Geldstücke auf. Besondere Erwähnung verdient auch die kunstvolle Königsplakette von 1964, in die König Heinrich Vielberg und Königin Maria Schulte eine echte 10 Mark-Goldmünze aus dem Jahr 1874 einarbeiten ließ, oder auch die runde Silberplakette mit einem aufgesetztem Buch, die Harald Kübler im Jahr 2000 in Erinnerung an seine Königswürde im 475. Jubiläumsjahr anfertigen ließ.

Auch der Kettler-Orden fällt ins Auge. Er beginnt mit dem Jahr 1849, als Joseph Kettler die Königswürde errang, die Rückseite dieses Königssilbers wurde ebenfalls von Joseph Kettler in Anspruch genommen, als er im Jahre 1857 nochmals die Königswürde errang. Heinrich Kettler im Jahre 1871, Joseph Kettler im Jahre 1873, Anton Kettler im Jahre 1875 sowie Heinrich Kettler im Jahre 1919 und Franz Kettlerim Jahr 1963 vergrößerten diesen Silberstrang.

Wenn die große Königskette nicht gerade für den Schützenfest-Umzug benötigt wird, liegt sie sicher im Tresor der Enser Volksbank. Der Platz ist angemessen, denn es handelt sich keineswegs um wertloses Blech. Wie wir an Hand der Auflistung sehen können, ist in den letzten 250 Jahren einiges zusammengekommen.

„Der Materialwert ist vielleicht nicht sehr hoch, dafür aber der ideelle und auch geschichtliche Wert um so mehr.“

Es gilt diese Erinnerungsstücke zu hegen und durch weitere Plaketten zu mehren, um der Nachwelt auch den Geist der heutigen Zeit vor Augen zu führen. Leider sind während der Schützenfeste in den vergangenen Jahrzehnten einige (in der nachfolgenden Aufstellung (mit * gekennzeichneten) Plaketten verloren gegangen. Die Schützenbruderschaft würde sich sehr freuen, wenn einige dieser Zeitdukumente wieder auftauchen würden.